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Vogelherdclub Oensingen – Ein Feuerwerksverein mit Tradition

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts brannten noch kleine Feuer hoch oben auf dem Roggen, auf dem heute noch so genannten «Fasnachstflüeli», im Laufe der Jahre waren es dann die prächtigen Höhenfeuer links und rechts des Schlosses Neu-Bechburg, die miteinander in Konkurrenz standen. Träger dieser altehrwürdigen Tradition der Sonnwende und der Fasnachtsfeuer ist in Oensingen unter anderem der Vogelherdclub.

Der Vogelherdclub Oensingen bezweckt in erster Linie die Aufrechterhaltung bzw. die Fortführung der altehrwürdigen Tradition der Fasnachts- und Augustfeuer- Veranstaltungen. So steht es in der Einleitung der Klubstatuten. Sicher waren sich aber die Gründungsmitglieder nicht bewusst, was daraus entstehen würde, als sie 1921 den Klub gründeten.

Dieser uralte Oensinger Brauch, um die Fasnachtszeit Höhenfeuer zu entfachen, wurde nie unterbrochen. Vor fast 100 Jahren stiegen hier die ersten Raketen in den tiefschwarzen Himmel über Oensingen. Die Tradition der Fasnachts- und Höhenfeuer zur Sonnenwende sowie die Feuerwerke zur Sonnwendfeier werden seither mit grossem Elan weitergeführt, ja sogar Jahr für Jahr mit Freude verfeinert.

Gründung des Vogelherdclubs

Die eigentliche Geburtsstunde des Vogelherdclubs war im Kriegsjahr 1916. Der erste Präsident war Linus Obrecht. Die von den Vorfahren übernommene Tradition der Fasnachts- und Höhenfeuer wurde in den Folgejahren weiter ausgebaut. Unter einer neuen Klubleitung sowie einer stattlichen Anzahl freudiger Mitglieder wurde fortan kräftig gearbeitet. Viel gefreute Versammlungen gaben dem jungen Verein das nötige Zusammengehörigkeitsgefühl. Die jährlichen «Feuerungen» an der alten Fasnacht und auch am 1. August erforderte den ganzen Einsatz aller Mitglieder, denn es mussten sowohl Holz wie auch die erforderlichen Geldmittel beschafft werden.

Protokollauszug aus dem Jahr 1921



Holzbeschaffung einst und jetzt

Wie zu alten Zeiten sammelten die Mitglieder in den Wäldern das nötige Dürrholz ein. Dass diese Aktion jeweils einen grossen Einsatz erforderte, ist den älteren Jahrgängen noch heute in Erinnerung. In späteren Jahren zeichnete der Bannwart jeweils dürre Tannen, Föhren und Fichten an, welche durch die Klubmitglieder geschlagen und auf die jeweiligen Lagerplätze transportiert werden konnten. Auf den verschiedenen Plätzen wurde sodann das Holz verarbeitet. Das Endprodukt – sogenannte Backscheiter – wurden anschliessend an einem sicheren Ort verwahrt. Verschiedene Hausbesitzer und treue Anhänger des Klubs erachteten es als Ehre, das «Fachelenholz» in Obhut zu nehmen. Viele Unterdörfer Einwohner stifteten während langen Jahren Holzgaben (Wellen), die freudig angenommen wurden und «feurige» Verwendungen fanden.

Heute erhält der Vogelherdclub das benötigte Holz dank eines grosszügigen Entgegenkommens der Oensinger Bürgergemeinde zur Verfügung gestellt.

 

Vereinsmitglieder beim Feuerwehrwerksaufbau im Jahr 1927

Wie die Feuerwerkstradition entstand

Da der Abbrennplatz für die Höhenfeuer im Gebiet Neuweg / Vogelherd nicht derart günstig gelegen ist, wie dies für den anderen Feuerwerksverein auf der Ravellenfluh der Fall ist, entschloss man sich in den Reihen des Vogelherdclubs, der Natur etwas nachzuhelfen, indem ein künstliches Feuerwerk eingeführt wurde. Franz Gerspacher war der eigentliche Initiant des Feuerwerks. Die ersten zehn Raketen für das erste Feuerwerk im Jahre 1919 kosteten noch etwa 30 Franken, im Jahre 1921 gab man dann bereits 51 Franken aus.

Bis zum Jahre 1937 gestalteten die Mitglieder des Vogelherdclubs die noch recht bescheidenen Kunstfeuerwerke in eigener Regie. Erst von diesem Jahr an konnte man auf den fachmännischen Rat von Feuerwerksspezialisten zählen. Zu Beginn noch alle Jahre, seit 1961 immer in einem Intervall von drei Jahren gestaltet der Vogelherdclub bis zum heutigen Tag zusammen mit den Rivalen aus dem Oberdorf das in der ganzen Schweiz bekannte Kunstfeuerwerk zur Sonnwendfeier.

Eine lange Feuerwerkstradition

Viele Mitglieder des Vogelherdclubs sind absolute, wenn auch nicht gewerbsmässige «Profis» in der Gestaltung von Kunstfeuerwerken. Die lange Tradition, die mit viel Fachwissen gepaart von Mitglied zu Mitglied weitergegeben wird, hat dazu geführt, dass die Vereinsmitglieder in der Lage sind, Feuerwerke selbständig zu gestalten und abzubrennen. Viele Mitglieder des Klubs sind Jahr für Jahr als Feuerwerker am 1. August oder an Sylvester bzw. Neujahr unterwegs, um von Arosa über Spiez bis Zermatt die jeweiligen Feiern mit gekonntem Feuerwerkszauber zu verschönern.